Wo bleibt die Zivilcourage?

Gestern war ich Zeuge eines Autoun­falls. Aus der Sit­u­a­tion nach dem Unfall habe ich einiges gel­ernt. Inter­es­sant war für mich zu beobacht­en, wie schnell ein wüten­der Mob entste­hen kann. Neben vier weit­eren Zeu­gen haben sich auch eine Menge Leute eingemis­cht, die wed­er am Unfall beteiligt waren, noch etwas zum Unfall­her­gang sagen kon­nten. Sie haben sich statt-
dessen bei den Polizis­ten am Unfal­lort über die Ungerechtigkeit unser­er Geset­ze beschw­ert. Es heißt ‘Im Zweifel für den Angeklagten’ und schlussendlich blieb die Unfal­l­lenkerin auf dem Schaden sitzen, den sie verur­sacht hat­te, weil ihr ein rück­sicht­slos­er Aut­o­fahrer den Vor­rang genom­men hat­te.

Zivilcourage - bitte Einmischen

Ein BMW kommt aus ein­er Seit­en­straße mit einem ‘Vorrang-geben’-Schild, über­sieht ein links-kom­mendes Auto und bremst ger­ade noch ab. Lei­der hat sich die linksk­om­mende VW-Fahrerin dadurch so geschreckt, dass sie anstatt ein­er Voll­brem­sung auswe­icht, einen Verkehrsspiegel rammt und auf dem Gehsteig zum Ste­hen kommt. Die BMW-Lenkerin sieht den Unfall und fährt trotz­dem weit­er.

Die Polizis­ten haben uns Zeu­gen befragt und uns anschließend erk­lärt, dass es ohne Kol­li­sion der bei­den Wagen ein schwieriges Unter­fan­gen ist, der BMW-Lenkerin zumin­d­est eine Mitschuld nachzuweisen. Auch Fahrerflucht ist in dem Fall nicht leicht nachzuweisen, da sie aus­sagt, die VW-Fahrerin sei ‘auf den Park­platz aus­gewichen’. Wir ste­hen am Straßen­rand und sind verblüfft. ‘Hätte sie in den BMW rein­fahren sollen, damit etwas unter­nom­men wird oder wie?’, sagt eine Zeu­g­in mit verärg­ert­er Stimme. Wir waren uns alle einig, dass man bei einem Unfall zumin­d­est ste­hen bleibt und hil­ft.

Wie kann ich helfen?

Schla­gar­tig wird aus ein­er Kreuzung ein Schlacht­feld mit herum­liegen­den Scher­ben, Split­tern und Wrack­teilen. Da dieser Vor­fall in ein­er Sied­lung passiert ist, kom­men nach und nach immer mehr Men­schen vor­bei und fra­gen, ob etwas benötigt wird und ob sie helfen kön­nen. Und genau das ist wohl das Wichtig­ste in Bezug auf Zivil­courage — die Frage: “Kann ich helfen?”

Für den Tri­umph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun! Edmund Burke

Ruhe bewahren, Pan­nen­dreieck auf­stellen, Warn­weste anziehen und Polizei anrufen. Bei reinem Bleis­chaden ist die Polizei nur bei Stre­it­fra­gen nötig. Kommt man als erster zu einem Unfal­lort, so ist man verpflichtet, ste­hen­zubleiben und zu helfen.

Warum bleiben viele bei einem Unfall nicht stehen?

Viele sind mit Sit­u­a­tio­nen, die Angst machen, über­fordert und wollen ein­fach nur weg. Oft hat man aber nach­her Gewis­sens­bisse und man fühlt sich schuldig. Auch wenn man einen drin­gen­den Ter­min hat oder zur Arbeit muss — ein Unfall ist ein Aus­nah­me­fall und Erste Hil­fe ist sofort zu leis­ten. Auch wenn man sich es nicht zutraut oder Angst vor falschen Entschei­dun­gen hat, spricht nichts dage­gen, ste­hen zu bleiben und die Ret­tung zu rufen. Halte andere an und frage um Hil­fe, wenn du nicht weit­er weißt. Du kannst nur etwas falsch machen, wenn du nichts tust!

Nicht gaffen sondern helfen

Neugi­er ist grund­sät­zlich etwas Gutes, aber Schaulustige braucht nie­mand. Vor allem dann nicht, wenn bei einem Unfall Per­so­n­en ver­let­zt sind. Hier ist Han­deln gefragt: Ein­er ruft die Ret­tung, ein ander­er sper­rt die Straße ab, ein Drit­ter besorgt Ver­bands­ma­te­r­i­al und so weit­er. Oft sieht man lei­der bei einem Unfall Men­schen fra­gend und rat­los herum­ste­hen. Man darf nicht davon aus­ge­hen, dass ein ander­er schon etwas untern­immt. Lieber sel­ber die Ini­tia­tive ergreifen, als untätig dazuste­hen und so noch mehr Schaden anzuricht­en. Je öfter du dich traust, über deinen Schat­ten zu sprin­gen, umso leichter fällt es dir beim näch­sten Mal, Zivil­courage zu zeigen und aktiv zu han­deln!

 

 

 

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